Renaturierung der Thiele-Aue: Fakten statt Missverständnisse

In jüngster Zeit sorgten Zeitungsberichte und am 11.03.2026 ein Beitrag der Fernsehsendung „Mario Barth deckt auf“ für Irritationen in Bad Arolsen: Ein laut RTL-Redaktion neu angelegter Fahrradweg in der Thiele-Aue wurde als „Weg ins Leere“ dargestellt. Diese Darstellung greift jedoch zu kurz, schafft falsche Fakten und verkennt den wahren Hintergrund des Projekts.
Ein geplantes Konzept für Stadtentwicklung und Umwelt
Der Abschnitt zwischen Birkenweg und Knusterweg ist Teil der Renaturierung der Thiele-Aue, die in drei Bauabschnitte gegliedert ist. Ziel ist es, den Bachlauf naturnah zu gestalten, den Hochwasserschutz zu verbessern und gleichzeitig die Naherholung für Bürgerinnen und Bürger deutlich aufzuwerten. Der Weg, der aktuell in einem Wendehammer endet und darüber hinaus einen Gehweg und somit keinen Radweg darstellt, ist bewusst so angelegt und Bestandteil der städtebaulichen Gesamtplanung. Er soll künftig an den bestehenden Fußweg an der Korbacher Straße anschließen – Verzögerungen resultieren ausschließlich aus noch ausstehenden Grundstückserwerben.
Bereits der erste Bauabschnitt, der das ehemalige Schwimmbadgelände in einen modernen Freizeitpark mit Skateanlage verwandelte, zeigt eindrucksvoll, dass eine Kombination aus Umweltschutz, Hochwasserschutz und Naherholung erfolgreich umgesetzt werden kann. Der zweite Bauabschnitt integriert den Spazierweg in die Renaturierung, sorgt für barrierefreie Zugänge und schafft neue naturschutzrechtlich aufgewertete Flächen durch Wiesenbereiche und Baumneupflanzungen.
Warum Asphalt die richtige Wahl ist
Der asphaltierte Weg wurde bewusst gewählt, auch wenn ein wassergebundener Schotterweg auf den ersten Blick günstiger erscheint. Die Entscheidung basiert auf fachlichen, wirtschaftlichen und sozialen Erwägungen:
- Langlebigkeit und Unterhalt: Asphalt mit frostsicherem Aufbau hält langfristig deutlich länger als Schotter, der in Überschwemmungsgebieten stark abgenutzt würde.
- Barrierefreiheit: Menschen mit Rollator, Kinderwagen oder Mobilitätseinschränkungen können den Weg problemlos nutzen.
- Regenwasserableitung: Das Wasser kann seitlich versickern; eine zusätzliche Kanalisierung ist nicht erforderlich.
- Langfristige Kosteneffizienz: Über Jahrzehnte hinweg entstehen geringere Unterhaltskosten als bei einem Schotterweg.
- Pflegefreundlich für den städtischen Bauhof: Asphaltwege sind deutlich aufwandsreduzierter zu pflegen und schonen Maschinen sowie Gerätschaften im Vergleich zu wassergebundenen Decken. Die Entscheidung für Asphalt ist somit keine Frage der Bequemlichkeit, sondern Ausdruck einer nachhaltigen und wirtschaftlich verantwortungsvollen Planung.
Förderprogramme: Minimale Belastung für die Stadt
Die Renaturierung wird überwiegend über Fördermittel des Landes sowie des Bundes finanziert:
- „Naturnahe Gewässer“: 501.000 € für Bachrenaturierung und Hochwasserschutz
- „Wachstum und nachhaltige Entwicklung / Stadtumbau“: 4,75 Mio. € für Spazierweg, Naherholung und städtebauliche Gestaltung.
Dank dieser Mittel trägt die Stadt Bad Arolsen nur einen sehr geringen Eigenanteil, während die städtische Infrastruktur massiv aufgewertet und vorangetrieben wird, sodass Umwelt, Naherholung und Stadtentwicklung nachhaltig miteinander verbunden werden. Man muss sich bei der Bewertung der Ausschöpfung solcher Fördermittel den Realismus vor Augen führen: Verzichtet unsere Stadt auf diese Fördermittel, schrumpft nicht der Fördermitteltopf – die Gelder fließen an andere Kommunen zur Umsetzung überzeugender Konzepte.
Bad Arolsen sollte hierbei unter keinen Umständen seinen Bürgerinnen und Bürgern einen Nachteil durch Zurückhaltung verschaffen. Wie jede andere Kommune sind wir verpflichtet, mögliche Förderungen auszuschöpfen und für anstehende Projekte das beste und wirtschaftlichste Konzept zu erarbeiten. Als Freie Wähler Bad Arolsen stehen wir für eine Stadtentwicklung, die Bad Arolsen lebens- und liebenswert erhält und weiterentwickelt.
Unsere Leitlinien sind klar:
- Fördermittel konsequent nutzen, um die Stadtkasse zu entlasten.
- Naherholungsmöglichkeiten, Freizeitangebote und Rückzugsorte für alle Generationen schaffen.
- Umwelt- und Hochwasserschutz integrativ in die Stadtplanung einbinden.
- Barrierefreiheit und soziale Teilhabe gewährleisten.
Die Thiele-Aue ist ein Beispiel dafür, wie diese Ziele konkret umgesetzt werden: Aus einer problembehafteten Fläche mit Schwimmbadruine und wiederkehrenden Hochwasserproblemen entsteht schrittweise eine attraktive, ökologisch wertvolle und generationenübergreifend nutzbare Naherholungsoase.
Wir schätzen Herrn Barth und seine Arbeit im Bereich des investigativen Journalismus, insbesondere wenn es darum geht, Planungsfehler oder Verschwendung von Steuermitteln transparent zu machen. In diesem Fall jedoch wurde aus unserer Sicht das Ziel verfehlt. Weder wurde das zugrunde liegende Gesamtkonzept umfassend geprüft, noch die vorherige Situation rund um die ehemalige Schwimmbadruine oder die zurückliegenden Hochwasserereignisse angemessen berücksichtigt. Stattdessen konzentrierte sich der Beitrag auf einen derzeit noch isoliert wirkenden Wendehammer – ohne den geplanten Gesamtzusammenhang darzustellen, der sich nach Abschluss des Projekts und Eröffnung der letzten Teilbereiche städtebaulich schlüssig in ein hervorragendes Gesamtbild einfügen wird (siehe Planskizze).
Zu keinem Zeitpunkt wurde Bürgermeister Marko Lambion, dem Magistrat, uns FREIEN WÄHLERN oder einer anderen im Stadtparlament vertretenen Fraktion Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Eine ausgewogene Berichterstattung hätte diesen Schritt aus unserer Sicht zwingend beinhaltet.
Wir stehen zu diesem Projekt, zu unserer Stadt und zu verantwortungsvollen Investitionen für unsere Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Gleichzeitig laden wir die Redaktion herzlich ein, sich nach Fertigstellung aller Bauabschnitte selbst ein umfassendes Bild der belebten Naherholungsoase rund um die Thiele-Aue zu machen – wir würden uns über eine differenzierte Berichterstattung freuen.
